In der Schweiz haben Start-Up Unternehmen kaum eine Chance eine qualifizierte Arbeits-
kraft aus dem nicht EU Raum anzustellen.



Offener Brief

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin Corinne Mauch,
sehr geehrter Herr Stadtrat Martin Vollenwyder

Zürich ist ein Ort, der vieles möglich macht. Zürich ist ein Ort, der die Schweiz bewegt und vorwärts treibt. Deshalb ist Zürich der Ort, den wir gewählt haben, um ein Unternehmen zu gründen.

In Zürich finden wir auch das Kapital und das kreative Umfeld, das nötig ist, um neue Ideen zu entwickeln. Nur eines kann Zürich nicht bieten: Genügend Talent, um unsere Startups nach vorne zu katapultieren.

Als Zürcher Jungfirmen messen wir uns heute nicht mit Bern, Basel, Genf, Stuttgart oder Milano, sondern
wir messen uns in unserer Branche mit New York, Berlin, London und nicht zuletzt mit dem Silicon Valley.
Wir sprechen von einem weltweiten Markt und einem globalen Wettkampf um die Köpfe, die das Internet von morgen entwerfen und entwickeln. Und mit Blick darauf herrschen in Zürich unannehmbare Zustände.

Wir, die GründerInnen von Startups, haben dieses Defizit beim Aufbau unserer Unternehmen wiederholt erlebt. Tatsache ist: kleine Startups haben in Zürich praktisch keine Chance, Expertinnen und Experten von anderen Kontinenten einzustellen. 

Auf dem Papier gibt es für den Kanton Zürich ein Kontingent von 3600 Expertinnen und Experten,
deren Arbeitserlaubnis durch das AWA des Kantons Zürich vergeben werden. In der Praxis hat ein Startup dabei nach unserer Erfahrung keine Chance, eine solche Person einstellen zu können.

Das AWA des Kanton Zürich braucht oft ein halbes Jahr oder mehr, um über ein Gesuch zu entscheiden.
Für ein Startup aus dem schnellebigen Online-Bereich ist dies eine betriebsökonomisch relevante Ewigkeit.
Das AWA verlangt zudem absurde Lohnsummen für diese Expertinnen und Experten.

Wir zweifeln erstens offen an, ob das AWA tatsächlich in der Lage ist, zu beurteilen, wodurch sich Fachleute in unserem Bereich auszeichnen. Einzigartige Expertinnen und Experten im Online-Bereich sind nicht zwingend Absolventen einer Universität. 

Zweitens können Startups als junge Risikounternehmen kaum hohe Löhne zahlen. Oft werden solche ExpertInnen bei jungen Startups längerfristig in Form von Aktien oder Boni am Geschäftserfolg beteiligt. 

Drittens ist der zeitintensive Vergabeprozess durch das AWA kaum in den auf sehr schnelle Entwicklung angewiesenen Unternehmensbereich Online-Entwicklung integrierbar. 

All diesen Fakten scheint das AWA keine Rechnung zu tragen. Uns ist bekannt, dass es auf Bundesebene verschiedene Initiativen gibt, eine Art «Startup-Visa» einzuführen. Wir befürchten jedoch, dass es Jahre dauern wird, bis konkrete Resultate vorliegen. Als Jungunternehmen haben wir, gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen, keine Zeit, darauf zu warten.

Aus diesem Grund bitten wir Sie, umgehend beim Kanton vorstellig zu werden, um dieses Problem so schnell wie möglich anzugehen. Unsere konkrete Forderung: Kleine Startups müssen in Zürich die gleichen Chancen erhalten wie Google, IBM und andere Grossunternehmen, Fachkräfte aus Nicht-EU/EFTA Staaten anzustellen.

PS: Wir sind gerne bereit, Problemlage und Lösungsansätze in einem Gespräch mit den zuständigen Behörden zu diskutieren. 

Mit freundlichen Grüssen – Ihre Zürcher Startups

Autor & Erstunterzeichner Moritz Zumbühl, CEO FEINHEIT GmbH

FEINHEIT Grafik Zürich – CI/CD, Webdesign, Flash, Webshop, XHTML/CSS